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Out now: ‘Was ist ein Brief? – What is a letter?’

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Dear readers,

we, the curators of this blog, are very pleased to announce that our edited collection Was ist ein Brief? – Aufsätze zu epistolarer Theorie und Kultur. What is a letter? – Essays on epistolary theory and culture is now available from Königshausen & Neumann.

Our warmest thanks go to the authors who contributed to this volume.

Your sincerely,

Marie Isabel Matthews-Schlinzig and Caroline Socha

 

PS: Table of contents

Marie Isabel Matthews-Schlinzig / Caroline Socha: Von einfachen Fragen, oder: Ein Brief zur Einführung

 

I. Konzepte des Briefes / Conceptualizing letters

Michael Sinding: Letterier: categories, genres, and epistolarity

Nicholas Cronk: Generic instability in Voltaire’s correspondence: When is a letter not a letter?

Robert Vellusig: Die Poesie des Briefes. Eine literaturanthropologische Skizze

Inka Kording: Epistolarisches. Die achtfache Relationalität des Briefes

Jochen Strobel: Welchen Erkenntnisgewinn versprechen digitale Briefeditionen?

II. Ein Medium im Wandel / A changing medium

Grace Egan: Epistolary valediction in Johnson and Thrale’s correspondence

Julia Gillen: ‘I should have wrote a letter tonight’: A Literacy Studies perspective on the Edwardian postcard

Alan Scott: Letters 2.0? Linguistic insights into the extent to which social media are a substitute for personal letters

Emma de Vries: Letters in/on transition: neo-epistolarity, nostalgia, and new media

III. Schreibkulturen / Cultures of writing

Patrick Reinard: Briefe auf Papyri und Ostraka. Bemerkungen zur quellenkritischen Auswertung in der althistorischen Forschung

Lik Hang Tsui: Calligraphic letters as precious objects in Chinese history

Lena Vosding: Gifts from the convent: the letters of the Benedictine Nuns at Lüne as the material manifestation of spiritual care

Marie Isabel Matthews-Schlinzig: Collaboration and imagination in letters between parents and their children: The Herder family correspondence 1788–89

 

Autorinnen und Autoren / Contributors

 

 

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Altes Medium, frisches Leben: ‘The Letters Page (Vol. 2)’

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Auch im Zeitalter von Twitter, WhatsApp und Email leben manch Totgesagte länger: So zumindest ergeht es dem Brief, der seit einigen Jahren in Großbritannien eine neue Blüte erlebt. Da beeindrucken schön produzierte Anthologien wie Shaun Ushers Letters of Note mit Botschaften berühmter Personen. Die Organisatoren von Letters Live lassen diese Briefe von Stars wie Benedict Cumberbatch oder Sir Ian McKellen vor großem Publikum vortragen. Ein altes Kommunikationsmedium als massentaugliches Event. Wem dies zu kommerziell ist, der halte sich an Projekte wie Writing Back: Es hilft Brieffreundschaften zwischen Student/innen und Senior/innen zu knüpfen – für intergenerationellen Austausch und gegen Alterseinsamkeit. Auf berührende Weise verdienstvoll macht sich ebenfalls From Me to You, eine Initiative, die Briefe an Krebskranke initiiert – von Freunden wie Fremden.

Dafür, dass auch der fiktionale Brief eine Art Renaissance erlebt, zeichnet in nicht unerheblicher Weise die seit 2013 an der Universität Nottingham beheimatete literarische Zeitschrift The Letters Page verantwortlich. Konzipiert von Autor Jon McGregor als Unterrichtsprojekt wird sie von ihm und seinen Student/innen herausgegeben. Letztere, so McGregor, “sind fast durchweg in den Produktionsprozess einbezogen.” – Das reicht von der Lektüre der Einsendungen über die Mitarbeit am Design bis hin zur Online-Werbung für das fertige Produkt. Manche/r wird dabei den Brief als kreatives Medium für sich entdecken: Denn so begegnet er einem in der Zeitschrift selbst, die – der Name ist Programm – aus literarischen Briefen besteht. Wer hier veröffentlichen möchte, muss zunächst ganz altmodisch zu Papier und Stift, Umschlag und Briefmarke greifen. Bei der Auswahl zählt, dann, so McGregor, vor allem die literarische Qualität. Veröffentlicht werden die Beiträge schließlich eher zeitgenössisch online.

Seit 2016 erscheinen einige der Letters Page-Briefe im zypriotischen Verlag Book Ex Machina auch in gedruckter Form. Buch- und Briefkunst gehen hierbei eine reizvolle Verbindung ein: The Letters Page – Vol. 1 hatte die Form einer ‘Briefkiste’, die neben einem Büchlein mit gedruckten Briefen Einzelblattfaksimiles beinhaltete. Die im Herbst 2017 – wieder in limitierter Auflage – erschiene zweite Anthologie erreicht ihre Leser dagegen in einem Briefumschlag aus festem Karton; der äußere Einband des Büchleins selbst spielt auf die Ästhetik der Luftpost an. Im Band spielen derweil, so Verlegerin Ioanna Mavrou, die nur auf den ersten Blick identischen “Titelblätter” der Beiträge auf deren Kernthemen an: ‘Plagiat’ bzw. ‘Kopie’ und ‘Einfluss’.

Die Autor/innen nähern sich diesen Themen aus unterschiedlichen Perspektiven; Form und Inhalt ergänzen sich häufig: So etwa bei Kit Caless, der eine angeblich per Instagram-Messenger geführte Copyright-Auseinandersetzung in ein analoges Medium rücküberträgt. Anders amüsant denkt Andrew McMillan darüber nach, inwiefern Kinder nur Kopien ihrer Eltern sind und wir alle uns im Grunde gegenseitig plagiieren. Schließlich erinnert Darren Chetty in einem der schönsten Beiträge des Bandes daran, wie eng Kreativität und Imitation miteinander verflochten sind.

Literarisch überzeugen manche Beiträge mehr als andere – besonders positiv hervorzuheben ist Joe Dunthornes dystopisch-poetischer Text, der sich in bester (Oulipo-) Tradition nur eines Vokals bedient. Etwas fehlplatziert wirken dagegen die wenigen Beiträge, die die Grenzen von Brieflichkeit nicht erfolgreich austesten: Eine Unterschrift allein macht einen Prosatext eben nicht zum Brief. Der eine oder andere editorische Lapsus hätte sich auch vermeiden lassen, u.a. in den teils hilfreichen, teils ein wenig ausführlichen Fußnoten zu den Beiträgen. Am Ende versöhnt dann aber die Qualität der Anthologie insgesamt – gemeinsam mit der Tatsache, dass hier auch Autor/innen zu Wort kommen, die keine professionellen Literaten sind: Wie etwa Jonathan Ellis, dessen Meditation über Tod, Verlust und die das eigene Leben überdauernde Korrespondenzen zu den rührendsten Texten des Bandes zählt.

Alles in allem sind The Letters Page – Vol. 2 (ebenso wie ihrem Vorgänger und eventuellen Nachfolgern) viele Leser zu wünschen – allein schon um des anregenden inhaltlichen Formats und buchgestalterischen Anspruchs willen. Ebenfalls zu hoffen ist, , dass die eingangs erwähnten Projekte Writing Back und From Me to You erfolgreich bleiben. – Und wer weiß, vielleicht finden sich ja auch im deutschen Sprachraum Menschen, die sich auf ähnlich kreative bzw. sozial positive Weise des Briefes annehmen? Bewegung in diese Richtungen ist bereits auszumachen: Beispielhaft genannt seien die digitalen Dichterbriefe – “eine Mischung aus Offenem Brief zu Lyrik und Gesellschaft, bewusst parteiischer Rezension und vertrautem Austausch”, mit denen Autor Christophe Fricker seine Leser seit einiger Zeit erfreut.

PS: Für alle, die mehr über The Letters Page sowie das Design der Druckausgabe/n erfahren möchten, füge ich am Ende dieses Eintrags zwei (per Email geführte) Q&As mit dem Herausgeber Jon McGregor und der Verlegerin Ioanna Mavrou an.

 

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Q&A with the editor, Jon McGregor

– Who chose the titles for the letters? (and how?)

Almost always, I have chosen the titles for the letters. This goes right back to our first issue, when it just seemed like a good idea to give the letters titles, in order to give the reader some sense of the content and tone of each letter. And also because it looked right on the page. Usually I have just taken a line or phrase from the letter which has struck me as sounding good, or containing a spark of what the letter is about. Sometimes I have checked with the author if they are happy with my choice of title; sometimes I have neglected to do so. It’s interesting, because usually with a literary work the author is very concerned with the title – it’s seen as an intrinsic part of the text – but with letters it seems redundant to use a title.

– Who added/wrote the footnotes? (and why?)

Again, this was mostly me. There were some letters that we published in the first issue that seemed to require additional explanation or exposition; and then I also had the sense that the footnote was another version of the marginalia that you might find in a handwritten letter. *And* I wanted to play with the fact that we are publishing from an academic institution, but this is not an academic piece of work; and so to be playful with academic apparatus such as footnotes. Often the students I work with will research the material for the footnotes, but I always rewrite what they have done in order to achieve a kind of ‘house style’. Occasionally the authors themselves will provide a footnote.

– What was the rationale for selecting the contributions?

It’s the quality of writing, first. I want The Letters Page to be something that people read for the quality of the writing, in the same way that they would be drawn to any other literary journal or book. But then I’m interested in what people do with the restrictions of the form (which turn out not to be all that restrictive), and with how they gain and retain the attention of the reader. Once there are a number of pieces we’re interested in using, we start to look for some coherency between them, connections and continuities, until we find a collection of pieces which work together.

– Were Nottingham students involved at all in the production of the book?

Yes, very much so. The whole project is designed around student involvement. They have a hand in most of the process – reading and commenting on submissions, researching footnotes and author biogs, organising some of the layout and design, proof-reading – as well as in a lot of the promotional work that we do online, and organising launch events. Ultimately, I make the final creative decisions, as editor, but the student’s involvement is very important. It’s a key element in their studies on the Creative Writing course here.

– How does, in your opinion, The Letters Page (and Vols 1 & 2) relate to current letter culture(s)?

I hope it’s a part of the ongoing conversation about letters as a form of communication and letters as an art form in themselves. Some people are actively encouraging or campaigning for a ‘return’ to letter writing, and others are celebrating the history of letters and letter writing; I would say that we’re doing neither of those things. Instead, we’re celebrating the possibilities of what used to be a mainstream form and has now become rather niche, and in doing so we hope we’re providing a prompt or spark of inspiration to encourage some great and unexpected work from our writers.

 

Q&A with the publisher, Ioanna Mavrou

– What was your rationale for designing the book [i.e. The Letters Page – Vol. 2] as you did? What aspects were most important to you? (If possible, please include comments on the cover (inside and outside), use of handwriting vs. typeface, colours/illustrations, choice of paper.)

The cover of the book, along with the mailing envelope the book comes in, elude to the origins of The Letters Page project itself, the physical handwritten letters mailed in the post, and the inside of the book cover serves both as a self-reference to Vol. 1 and to the theme of Vol. 2, which is copies.

For the individual title pages we wanted to add a twist to the concept of copies, so that on first glance they all appear identical while in reality not two backgrounds are the same. The colours are both related to the letters and also act as integrated bookmarks, especially when you flip the book backwards, so you can easily re-find your favourite letter.

– How does, in your view, the design relate to the book’s theme/content? Why did you choose to come up with a new design – instead of copying that of The Letters Page – Vol. 1?

When we start working on a project, we have several brainstorming sessions early on where we just throw ideas in the air and the ones that we find exciting, we make into mock-ups which are then placed on a board in our office. After a while, it becomes clear which idea fits best with the project at hand.

We went all out in the production of Vol. 1 both in production costs and time that we spent for the parts of the project we did in-house (including the hand-written letter reproductions, and the assembly of each box) so we could only produce a small number of copies. So to extend the edition run for Vol. 2 we changed the format, still keeping the design interesting and creating a postal object that served both the content and looked cool!

 

Regarding a child’s summer holiday postcard – A letter

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Dear Reader,

The postcard pictured above was sent on 12 April 1988 from Wadebridge in Cornwall to Oxford. It is one of those cards you yourself might recall having written to your own grandparents during a family summer holiday.

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Above is the reverse side. The note underneath the drawing and the address were in all likelihood added by an adult. They identify the card’s author as ‘Jessie’ and the addressee as ‘Granny’. Jessie, apparently, was too young to produce a complex drawing, let alone  write.

You may ask yourself – just as I do – : did child or parents initiate the ‘writing’ of the postcard? who chose it? did the child tell the parent to add the note?

This postcard is a wonderful example of what I would call a ‘composite object’: a letter, postcard, or text/drawing in a different format, that is the result of a collective effort of several authors – in this case: a child and an adult. Their relationship is marked by a complex mix of agency and dependency: the child’s agency seems both curtailed and extended: they depend, for instance, on the parent for a range of activities – such as buying the postcard and adding the correct address; but they are also enabled to participate in ‘grown-up’ correspondence and to express themselves freely – and, in this case, ‘colourfully’.

The parent’s position of power notwithstanding, the traces of their emotional investment, imagination, and enjoyment in taking part in this shared project are also obvious – not least from the little, incomplete smiley appended to the child’s name. By adding the note and addressing the card to ‘Granny’, the parent even assumes the child’s perspective – and with that their ‘voice’; they write not only on their child’s behalf but in their name.

Similar forms of collaborative writing and mutual investment can also be found in late eighteenth-century children’s letters. I am currently working on a case study of the letters written by the children of the German philosopher, theologian and cultural historian Johann Gottfried August Herder in the 1780s and 90s; the period I am particularly concerned with are the years 1788 / 89 during which Herder travelled to Italy.

The first results of my research on this material will be published in a collection of essays entitled Was ist ein Brief? – Aufsätze zu epistolarer Theorie und Kultur / What is a letter? Essays on epistolary theory and culture which Caroline Socha (Basel/Switzerland) and I are currently preparing for publication with Königshausen & Neumann. If you, dear Reader, would like to read more about children’s correspondence and maybe, also, about epistolary theory and cultures more generally, this book might be of interest to you.

Quite independently of that, I very much hope you enjoyed this short missive and that you will come back in time for more.

Sincerely yours,

Marie Isabel Matthews-Schlinzig

PS: I chanced upon the postcard pictured above in one of Oxford’s many Oxfam shops. I also found a few others there which I might share with you at a later stage. If you happen to be ‘Jessie’ or know (of) them, I would appreciate it very much if you could get in touch.

 

CFP: LWU-Themenheft ‘Der Briefroman im Deutschunterricht’ (15.05.2015)

(English-language version below)

Einladung zur Mitarbeit: Der Briefroman im Deutschunterricht. Ein 
vernachlässigtes Sujet in Wissenschaft und Unterricht

Ziel des Themenheftes ist es, den deutschen Briefroman ‒ gern auch aus einer komparatistischen Sicht ‒ einerseits als Gattung und Forschungsgegenstand in Erinnerung zu rufen und andererseits Möglichkeiten für den Einsatz von Briefromanen als Unterrichtsstoff in
unterschiedlichen Kontexten aufzuzeigen. Denn derzeit steht eine intensive und eingehende literatur- wie sprachwissenschaftliche und didaktische Beschäftigung mit den meisten
Briefromanen, insbesondere der Gegenwart, noch aus. Doch existiert in diesem Bereich viel Potenzial für neue Ideen und Interpretationen und (komparatistische) Querbezüge zu anderen Romanen.

Lediglich für Goethes „Werther“-Roman gilt im Deutschunterricht: „Werther muß – muß sein!“ Was Goethe selbst kurz nach der Veröffentlichung des Romans schon äußerte, gilt noch heute im Schulalltag. Der „Werther“-Roman ist der Briefroman der deutschen Literatur, der am bekanntesten ist, und fest im Lektüreplan der weiterführenden Schulen verankert. Doch auch andere Briefromane, insbesondere die der Gegenwart, bieten interessante und schülernahe Interpretationsmöglichkeiten und Vergleichsaspekte. Im Folgenden sollen einige Gedanken und Anregungen aufgeführt werden, über die es sich lohnt im Kontext von Wissenschaft und Unterricht nachzudenken. Willkommen sind selbstverständlich ebenso alle anderen und darüber hinausgehenden Untersuchungen:

– Das Identifikationspotential des ‚leidenden Werthersʻ macht den Roman als Unterrichtsstoff interessant, weil die Schülerinnen und Schüler der (meist) zehnten Klasse gerade selbst einen ähnlichen Konflikt wie Werther durchleiden; sie sind auf der Suche nach ihrem Selbst, nach ihrem Standort, nach ihrem Lebensweg und beschäftigen sich mit Themen wie Liebe, Ich und Gesellschaft, Trennung und Zusammensein: Welche anderen Briefromane (auch, gerade der Gegenwart) bieten ein ähnliches Identifikationspotential? Welche Briefromane können vergleichend zum „Werther“ hinzugezogen werden (z. B. „Liebesmale, scharlachrot“ von Zaimoglu, „Gut gegen Nordwind“, „Alle sieben Wellen“ von Glattauer)?

– Die Form des Briefromans hat sich im 21. Jahrhundert im Kontext der neuen Medien gewandelt (E-Mail-Roman, Telefon-Roman). Wie hat sich die Sprache, der Ausdruck verändert, etwa in Glattauers E-Mail-Romanen? Bilden diese Romane die mediale Schriftlichkeit, konzeptionelle Mündlichkeit der E-Mails, Chatbeiträge etc. ab? Müsste das Modell von
Koch/Oesterreicher für den Brief-/E-Mail-Roman verändert werden?

– Welche Auswirkungen hat der Medienwandel allgemein und konkret auf die Art und Weise, wie Briefe in Briefromanen verfasst werden?

– Ein Brief gibt viel vom Verfasser preis: Die Wortwahl, der Inhalt, der Stil der Formulierung sind Indiz für die Befindlichkeiten des Ichs und unter Umständen Charakterprofil des Ichs. Welche Veränderungen in der Subjektkonstitution (geschichtlich betrachtet) können in der Sprache der Briefschreibenden festgestellt werden?

– Neueren Untersuchungen zufolge existiert ein Unterschied zwischen weiblicher und männlicher Rede in Briefen, SMS und E-Mails. Männer pflegen im Internet einen kompetitiven und machtorientierten Stil, Frauen einen kooperativen und machtlosen (vgl. Lübke, „Cyber-Gender“; Kotthoff, „Kommunikativer Stil, Asymmetrie und ,Doing Genderʻ“; Trömel-Plötz, „Weiblicher Stil – Männlicher Stil“). Inwieweit eignen sich Briefromane zur Diskussion des „Doing Gender“ im schulischen Kontext? Welche produktions- und handlungsorientierten
Unterrichtsaspekte ergeben sich in der Folge?

– Welche Bedingungen gelingender und misslinger Kommunikation lassen die Briefromane erkennen? Welche Auswirkungen der neuen Kommunikationstechnologien auf Sprache und Kommunikation reflektieren die Romane? Was sagen sie über die Kommunikation von Frauen und Männern aus?

– Der Ursprung des Briefromans liegt in England (Richardson) und in Frankreich (Rousseau). Inwieweit bringen Parallellektüren im fächerübergreifenden Unterricht mit Englisch oder Französisch Gewinn für die Lektüre eines Briefromans, auch in Auszügen, im jeweiligen anderen Fach?

– Zum fächerübergreifenden Unterricht mit dem Fach Geschichte in der achten Klasse eignet sich Kathrine Kressmann Taylors Roman „Adressat unbekannt“, der einen Briefwechsel zwischen einem Deutschen und einem amerikanischen Juden in den Monaten um Hitlers Machtübernahme gestaltet und die tragische Entwicklung einer Freundschaft und die Geschichte einer bitterbösen Rache schildert. Im Fach Musik kann „Ein Überlebender
aus Warschau“ von Arnold Schönberg begleitend thematisiert werden. Eine Alternative bietet der Roman „Der Klassenfeind und ich“, der seine Leser aus jugendlich-weiblicher Perspektive die DDR und die Wende miterleben lässt. Welche sinnvollen didaktischen Möglichkeiten ergeben sich hier?

– Bei einem strukturalistischen und narratologischen Zugang zu den Briefromanen könnte die extradiegetische Funktion in Vor- und Nachworten und Fußnoten des Herausgebers untersucht werden. Auch die „Spielarten“ des Briefromans – monologisch, dialogisch, polylogisch, multiperspektivisch, autobiographisch – könnten zurückgebunden werden an die Aussage des Briefromans.

Bitte senden Sie Abstracts (250-300 Wörter, deutsch oder englisch) bis zum 15.5.2015 an Dr. Karina Becker (kabecker@mail.upb.de). Die fertigen Artikel sollen dann bis Ende November eingereicht werden. Die Publikation des Themenheftes ist für das erste Quartal 2016 geplant.


 

Call for Contributions: The Epistolary Novel in German Classes. A neglected topic

In this issue we would like to discuss epistolary novels from a German and English perspective, both as a subject for literary studies, linguistics, and didactics. At the moment, contributions to this subject are missing, especially to the contemporary epistolary novels. However, we believe that Goethe’s most famous novel “The Sorrows of the young Werther” is not the only
novel pupils have to deal with in class. Below you can find some ideas and suggestions to consider in the horizon of literacy studies, linguistics, and didactics. But of course, all other contributions are very welcome:

– Werther’s sorrows make the novel interesting for class because pupils have to deal with problems similar to Werther’s. They feel unsure about their person, their place to be, their way of life, and they are dealing as well with matters of love, separation, social conflicts … : Do other epistolary novels (esp. contemporary novels) likewise offer an similar potential of identification for the pupils? Are there other epistolary novels you can deal with comparatively? (e.g. Beaumont’s, „E-Novel“, Zaimoglu’s „Liebesmale, scharlachrot“, Glattauers’ „Gut gegen Nordwind“, „Alle sieben Wellen“)?

– Due to the fact that the very beginning both of the modern epistolary novel and of the first e-mail-novel was in Britain, you can consider a parallel reading of English and German novels.

– The form of the epistolary novel has changed in 21st century due to the development of new media. How have language, phrase etc. changed when combining speech and writing in writtenness?

– What are the impacts of media changes and their implication to the style of speech in epistolary novels?

– Style of speech and content of the epistle allow to draw conclusions regarding the correspondent’s sensitivities and character. Are there any developments in language and correspondent’s self in a historic perspective?

– There are new studies about differences in male and female speech in letters, SMS, e-mails. (cf. Lübke, „Cyber-Gender“; Kotthoff, „Kommunikativer Stil, Asymmetrie und ,Doing Genderʻ“; Trömel-Plötz, „Weiblicher Stil – Männlicher Stil“). To which extent can epistolary novels be used for discussing the problem „Doing Gender“ in classes?

– To what extent are epistolary novels examples for a successful or failing conversation? What about female and male communication?

– By considering the structure of the epistolary novel, you could deal with the extradiegetic and intradiegetic role of the editor in prefaces, epilogues, and footnotes or the form itself (monological, dialogical, multi-perspectivist, autobiographic).

Please send abstracts (250-300 words, in German or English) until 15th of May 2015 to Dr. Karina Becker (kabecker@mail.upb.de). Finished papers should be sent until end of November. The publication is projected for the first quarter of 2016.

Dr. Karina Becker

Universität Paderborn
Technologiepark 21
33100 Paderborn

kabecker@mail.upb.de


 

CFP originally circulated via H-Germanistik.