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Regarding a child’s summer holiday postcard – A letter

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Dear Reader,

The postcard pictured above was sent on 12 April 1988 from Wadebridge in Cornwall to Oxford. It is one of those cards you yourself might recall having written to your own grandparents during a family summer holiday.

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Above is the reverse side. The note underneath the drawing and the address were in all likelihood added by an adult. They identify the card’s author as ‘Jessie’ and the addressee as ‘Granny’. Jessie, apparently, was too young to produce a complex drawing, let alone  write.

You may ask yourself – just as I do – : did child or parents initiate the ‘writing’ of the postcard? who chose it? did the child tell the parent to add the note?

This postcard is a wonderful example of what I would call a ‘composite object’: a letter, postcard, or text/drawing in a different format, that is the result of a collective effort of several authors – in this case: a child and an adult. Their relationship is marked by a complex mix of agency and dependency: the child’s agency seems both curtailed and extended: they depend, for instance, on the parent for a range of activities – such as buying the postcard and adding the correct address; but they are also enabled to participate in ‘grown-up’ correspondence and to express themselves freely – and, in this case, ‘colourfully’.

The parent’s position of power notwithstanding, the traces of their emotional investment, imagination, and enjoyment in taking part in this shared project are also obvious – not least from the little, incomplete smiley appended to the child’s name. By adding the note and addressing the card to ‘Granny’, the parent even assumes the child’s perspective – and with that their ‘voice’; they write not only on their child’s behalf but in their name.

Similar forms of collaborative writing and mutual investment can also be found in late eighteenth-century children’s letters. I am currently working on a case study of the letters written by the children of the German philosopher, theologian and cultural historian Johann Gottfried August Herder in the 1780s and 90s; the period I am particularly concerned with are the years 1788 / 89 during which Herder travelled to Italy.

The first results of my research on this material will be published in a collection of essays entitled Was ist ein Brief? – Aufsätze zu epistolarer Theorie und Kultur / What is a letter? Essays on epistolary theory and culture which Caroline Socha (Basel/Switzerland) and I are currently preparing for publication with Königshausen & Neumann. If you, dear Reader, would like to read more about children’s correspondence and maybe, also, about epistolary theory and cultures more generally, this book might be of interest to you.

Quite independently of that, I very much hope you enjoyed this short missive and that you will come back in time for more.

Sincerely yours,

Marie Isabel Matthews-Schlinzig

PS: I chanced upon the postcard pictured above in one of Oxford’s many Oxfam shops. I also found a few others there which I might share with you at a later stage. If you happen to be ‘Jessie’ or know (of) them, I would appreciate it very much if you could get in touch.

 

CFP: LWU-Themenheft ‘Der Briefroman im Deutschunterricht’ (15.05.2015)

(English-language version below)

Einladung zur Mitarbeit: Der Briefroman im Deutschunterricht. Ein 
vernachlässigtes Sujet in Wissenschaft und Unterricht

Ziel des Themenheftes ist es, den deutschen Briefroman ‒ gern auch aus einer komparatistischen Sicht ‒ einerseits als Gattung und Forschungsgegenstand in Erinnerung zu rufen und andererseits Möglichkeiten für den Einsatz von Briefromanen als Unterrichtsstoff in
unterschiedlichen Kontexten aufzuzeigen. Denn derzeit steht eine intensive und eingehende literatur- wie sprachwissenschaftliche und didaktische Beschäftigung mit den meisten
Briefromanen, insbesondere der Gegenwart, noch aus. Doch existiert in diesem Bereich viel Potenzial für neue Ideen und Interpretationen und (komparatistische) Querbezüge zu anderen Romanen.

Lediglich für Goethes „Werther“-Roman gilt im Deutschunterricht: „Werther muß – muß sein!“ Was Goethe selbst kurz nach der Veröffentlichung des Romans schon äußerte, gilt noch heute im Schulalltag. Der „Werther“-Roman ist der Briefroman der deutschen Literatur, der am bekanntesten ist, und fest im Lektüreplan der weiterführenden Schulen verankert. Doch auch andere Briefromane, insbesondere die der Gegenwart, bieten interessante und schülernahe Interpretationsmöglichkeiten und Vergleichsaspekte. Im Folgenden sollen einige Gedanken und Anregungen aufgeführt werden, über die es sich lohnt im Kontext von Wissenschaft und Unterricht nachzudenken. Willkommen sind selbstverständlich ebenso alle anderen und darüber hinausgehenden Untersuchungen:

– Das Identifikationspotential des ‚leidenden Werthersʻ macht den Roman als Unterrichtsstoff interessant, weil die Schülerinnen und Schüler der (meist) zehnten Klasse gerade selbst einen ähnlichen Konflikt wie Werther durchleiden; sie sind auf der Suche nach ihrem Selbst, nach ihrem Standort, nach ihrem Lebensweg und beschäftigen sich mit Themen wie Liebe, Ich und Gesellschaft, Trennung und Zusammensein: Welche anderen Briefromane (auch, gerade der Gegenwart) bieten ein ähnliches Identifikationspotential? Welche Briefromane können vergleichend zum „Werther“ hinzugezogen werden (z. B. „Liebesmale, scharlachrot“ von Zaimoglu, „Gut gegen Nordwind“, „Alle sieben Wellen“ von Glattauer)?

– Die Form des Briefromans hat sich im 21. Jahrhundert im Kontext der neuen Medien gewandelt (E-Mail-Roman, Telefon-Roman). Wie hat sich die Sprache, der Ausdruck verändert, etwa in Glattauers E-Mail-Romanen? Bilden diese Romane die mediale Schriftlichkeit, konzeptionelle Mündlichkeit der E-Mails, Chatbeiträge etc. ab? Müsste das Modell von
Koch/Oesterreicher für den Brief-/E-Mail-Roman verändert werden?

– Welche Auswirkungen hat der Medienwandel allgemein und konkret auf die Art und Weise, wie Briefe in Briefromanen verfasst werden?

– Ein Brief gibt viel vom Verfasser preis: Die Wortwahl, der Inhalt, der Stil der Formulierung sind Indiz für die Befindlichkeiten des Ichs und unter Umständen Charakterprofil des Ichs. Welche Veränderungen in der Subjektkonstitution (geschichtlich betrachtet) können in der Sprache der Briefschreibenden festgestellt werden?

– Neueren Untersuchungen zufolge existiert ein Unterschied zwischen weiblicher und männlicher Rede in Briefen, SMS und E-Mails. Männer pflegen im Internet einen kompetitiven und machtorientierten Stil, Frauen einen kooperativen und machtlosen (vgl. Lübke, „Cyber-Gender“; Kotthoff, „Kommunikativer Stil, Asymmetrie und ,Doing Genderʻ“; Trömel-Plötz, „Weiblicher Stil – Männlicher Stil“). Inwieweit eignen sich Briefromane zur Diskussion des „Doing Gender“ im schulischen Kontext? Welche produktions- und handlungsorientierten
Unterrichtsaspekte ergeben sich in der Folge?

– Welche Bedingungen gelingender und misslinger Kommunikation lassen die Briefromane erkennen? Welche Auswirkungen der neuen Kommunikationstechnologien auf Sprache und Kommunikation reflektieren die Romane? Was sagen sie über die Kommunikation von Frauen und Männern aus?

– Der Ursprung des Briefromans liegt in England (Richardson) und in Frankreich (Rousseau). Inwieweit bringen Parallellektüren im fächerübergreifenden Unterricht mit Englisch oder Französisch Gewinn für die Lektüre eines Briefromans, auch in Auszügen, im jeweiligen anderen Fach?

– Zum fächerübergreifenden Unterricht mit dem Fach Geschichte in der achten Klasse eignet sich Kathrine Kressmann Taylors Roman „Adressat unbekannt“, der einen Briefwechsel zwischen einem Deutschen und einem amerikanischen Juden in den Monaten um Hitlers Machtübernahme gestaltet und die tragische Entwicklung einer Freundschaft und die Geschichte einer bitterbösen Rache schildert. Im Fach Musik kann „Ein Überlebender
aus Warschau“ von Arnold Schönberg begleitend thematisiert werden. Eine Alternative bietet der Roman „Der Klassenfeind und ich“, der seine Leser aus jugendlich-weiblicher Perspektive die DDR und die Wende miterleben lässt. Welche sinnvollen didaktischen Möglichkeiten ergeben sich hier?

– Bei einem strukturalistischen und narratologischen Zugang zu den Briefromanen könnte die extradiegetische Funktion in Vor- und Nachworten und Fußnoten des Herausgebers untersucht werden. Auch die „Spielarten“ des Briefromans – monologisch, dialogisch, polylogisch, multiperspektivisch, autobiographisch – könnten zurückgebunden werden an die Aussage des Briefromans.

Bitte senden Sie Abstracts (250-300 Wörter, deutsch oder englisch) bis zum 15.5.2015 an Dr. Karina Becker (kabecker@mail.upb.de). Die fertigen Artikel sollen dann bis Ende November eingereicht werden. Die Publikation des Themenheftes ist für das erste Quartal 2016 geplant.


 

Call for Contributions: The Epistolary Novel in German Classes. A neglected topic

In this issue we would like to discuss epistolary novels from a German and English perspective, both as a subject for literary studies, linguistics, and didactics. At the moment, contributions to this subject are missing, especially to the contemporary epistolary novels. However, we believe that Goethe’s most famous novel “The Sorrows of the young Werther” is not the only
novel pupils have to deal with in class. Below you can find some ideas and suggestions to consider in the horizon of literacy studies, linguistics, and didactics. But of course, all other contributions are very welcome:

– Werther’s sorrows make the novel interesting for class because pupils have to deal with problems similar to Werther’s. They feel unsure about their person, their place to be, their way of life, and they are dealing as well with matters of love, separation, social conflicts … : Do other epistolary novels (esp. contemporary novels) likewise offer an similar potential of identification for the pupils? Are there other epistolary novels you can deal with comparatively? (e.g. Beaumont’s, „E-Novel“, Zaimoglu’s „Liebesmale, scharlachrot“, Glattauers’ „Gut gegen Nordwind“, „Alle sieben Wellen“)?

– Due to the fact that the very beginning both of the modern epistolary novel and of the first e-mail-novel was in Britain, you can consider a parallel reading of English and German novels.

– The form of the epistolary novel has changed in 21st century due to the development of new media. How have language, phrase etc. changed when combining speech and writing in writtenness?

– What are the impacts of media changes and their implication to the style of speech in epistolary novels?

– Style of speech and content of the epistle allow to draw conclusions regarding the correspondent’s sensitivities and character. Are there any developments in language and correspondent’s self in a historic perspective?

– There are new studies about differences in male and female speech in letters, SMS, e-mails. (cf. Lübke, „Cyber-Gender“; Kotthoff, „Kommunikativer Stil, Asymmetrie und ,Doing Genderʻ“; Trömel-Plötz, „Weiblicher Stil – Männlicher Stil“). To which extent can epistolary novels be used for discussing the problem „Doing Gender“ in classes?

– To what extent are epistolary novels examples for a successful or failing conversation? What about female and male communication?

– By considering the structure of the epistolary novel, you could deal with the extradiegetic and intradiegetic role of the editor in prefaces, epilogues, and footnotes or the form itself (monological, dialogical, multi-perspectivist, autobiographic).

Please send abstracts (250-300 words, in German or English) until 15th of May 2015 to Dr. Karina Becker (kabecker@mail.upb.de). Finished papers should be sent until end of November. The publication is projected for the first quarter of 2016.

Dr. Karina Becker

Universität Paderborn
Technologiepark 21
33100 Paderborn

kabecker@mail.upb.de


 

CFP originally circulated via H-Germanistik.